Sexueller Missbrauch von Kindern / Jugendlichen

Sexueller Missbrauch von Kindern / Kindesmissbrauch


Sexueller Missbrauch von Kindern liegt vor, wenn eine sexuelle Handlung an einem Kind vorgenommen wird oder wenn das Kind sexuelle Handlungen an einem Erwachsenen vornimmt.

Ein „Kind“ im Sinne dieser Vorschrift ist jede Person unter 14 Jahren.

Die Verteidigung in Verfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs ist ein Tätigkeitsschwerpunkt der Kanzlei. Wir kennen sämtliche Fallstricke und Besonderheiten in diesen Verfahren. Wir wissen auch, dass der Vorwurf dessexuellen Kindesmissbrauchs oftmals erhoben wird, um zweckfremde Ziele zu erreichen. Dies etwa dann, wenn eine Trennung oder Scheidung im Raum steht

Sexualbezug und Erheblichkeit

Eine Strafbarkeit wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern bzw. Kindemissbrauch setzt eine sexuelle Handlung im Sinne des StGB voraus. Wann eine sexuelle Handlung vorliegt, ist im Einzelfall oft schwer zu beurteilen, was jedoch Ansatzpunkte für die Verteidigung bei einem entsprechenden Tatvorwurf bietet. Entscheidend ist, dass die Handlung objektiv betrachtet sexuellen Bezug aufweist. Eine subjektive sexuelle Motivation des Handelnden ist nicht erforderlich, sofern die Handlung objektiv sexualbezogen ist. Relevant wird die subjektive sexuelle Motivation nur, wenn die Handlung an sich nicht objektiv sexualisiertist. Als sexuelle Handlung wurde beispielswiese das Streicheln des Gesäße seiner 13-Jährigen bejaht; oder der länger dauernde Griff zwischen die unbekleideten Beine eines Kleinkindes. Der Griff an das Gesäß eines Kindes, um ihm auf ein Klettergerüst zu helfen ist hingegen keine sexuelle Handlung. Es kommt immer auf den Kontext der Handlung an.

Zudem ist eine sexuelle Handlung an einem Kind bzw. mit einem Kind nur strafbar, wenn die Handlung von einer gewissen Erheblichkeit ist. Erheblich ist eine sexuelle Handlung, wenn die Handlung „nach Art, Intensität und Dauer eine sozial nicht mehr hinnehmbare Beeinträchtigung für das Kind bedeutet." Nichtjeder körperliche Kontakt kann und darf jedoch zu einer Strafbarkeit wegen sexuellen Kindesmissbrauchs führen. Insofern gibt es als weitere Einschränkung eine sog. sozial hinnehmbare Handlung. Als sozial hinnehmbar ist es beispielsweise, ein Kind auf den Schoß zu setzen, es in den Arm zu nehmen oder es umzuziehen.

Das zeigt deutlich, dass bei der Rechtsfrage, ob eine sexuelle Handlung von einer gewissen Erheblichkeit vorliegt, häufig erfolgsversprechende Verteidigungsansätze bestehen. Es erfordert hierfür eine tiefgehende Kenntnis der umfangreichen Rechtsprechung. Die Rechtsanwälte der Kanzlei Burgert Rechtsanwälte bilden sich regelmäßig zu den aktuellen Entwicklungen im Sexualstrafrecht fort und sind darüber hinaus selbst als Dozenten tätig.

Sexueller Kindesmissbrauch: Tathandlungen mit und ohne Körperkontakt  

Gemäߧ 176 Abs. 1 StGB macht sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern strafbar, wer eine sexuelle Handlung an einem Kind vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt. Grundsätzlich erfordert eine Strafbarkeit nach § 176 Abs.1StGB somit Körperkontakt zwischen Täter und mutmaßlichem Opfer. §176 Abs. 1StGB Nach§ 176 Abs. 2 StGB macht sich derjenige strafbar, der ein Kind dazu bestimmt, dass es eine sexuelle Handlung an einer anderen Person vornimmt oder von dieser an sich vornehmen lässt. Dabei muss die andere Person nicht zwangsläufig erwachsen sein. Bei der anderen Person kann es sich auch um einen Jugendlichen oder ein anderes Kind handeln.

Um ein Kind zur Vornahme oder Duldung einer sexuellen Handlung zu bestimmen, ist erforderlich, dass der Täter zuvor willentlich und unmittelbar auf das Kind eingewirkt hat.

Sexueller Kindesmissbrauch ist auch ohne Körperkontakt möglich:  

 1. sexuelle Handlungen vor einem Kind § 176 Abs. 4Nr. 1 StGB

Damit eine solche Tathandlung strafbar ist, muss das Kind die sexuelle Handlung wahrnehmen. Dem Kind muss dabei nicht bewusst sein, dass das was es sieht, eine sexuelle Handlung ist. Körperlicher Kontakt ist für eine Strafbarkeit nach dieser Vorschrift nicht notwendig: es reicht aus, wenn ein Kind die sexuelle Handlung z. B. am Bildschirm mitverfolgt. Sogar die rein akustische Wahrnehmung über Telefon oder ein Online-Chat sind ausreichend, wenn die Kommunikation entsprechend sexualisiert ist.

Zuletzt muss es der Täter die sexuelle Handlung vor dem Kind vornehmen wollen. Dass ein Kind zufällig Zeuge einer sexuellen Handlung wird, ist nicht strafrechtlich relevant. Beobachtet ein Kind also beispielsweise zufällig seine Eltern beim Sex, machen diese sich nicht strafbar - auch wenn sie in Kaufgenommen haben, dass das passieren kann.

Es ist strafbar, eine sexuelle Handlung vor einem Kind vorzunehmen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Täter die sexuelle Handlung an sich selbst oder an einer anderen Person vornimmt. So kann z. B. das Onanieren vor einem Kind oder der Beischlaf vor einem Kind die Vornahme einer sexuellen Handlung darstellen.

2. Bestimmen eines Kindes zur Vornahme sexueller Handlungen (§176 Abs. 4 Nr. 2 StGB)

Wer ein Kind zur Vornahme einer sexuellen Handlung bestimmt, macht sich ebenfalls strafbar. Das Kind muss diese Handlung nicht zwangsläufig an seinem eigenen Körper vornehmen: auch wenn das Kind sich vor dem Täter ausziehen und/oder in aufreizenden Posen posieren soll, kann das als sexueller Kindesmissbrauch strafbar sein. Auch in diesem Zusammenhang gilt eine wichtige Einschränkung, die den Unterschied zwischen Verurteilung wegen Kindesmissbrauch und Freispruchbedeuten kann: Die Handlung muss auch hier einen objektiven Sexualbezug aufweisen. Neutrale Handlungen des Kindes, wie z.B. Duschen oder Baden, sind nicht als Kindesmissbrauch strafbar. Unter Umständen kann aber das Abfilmen und Verbreiten derartiger Situationen unter den Straftatbestand der Kinderpornografie fallen.

3.Einwirken auf Kind durch Schriften zur Veranlassung sexueller Handlungen (§ 176Abs. 4 Nr. 3 StGB)

Diese Vorschrift dient dazu zu verhindern, sexuell motivierte Treffen zwischen Erwachsenen und Kindern in Chatrooms rechtlich zu sanktionieren. Deshalb wird zwischenzeitlich bereits das Anbahnen eines solchen Treffens unter Strafe gestellt. Für eine Strafbarkeit genügt es bereits, wenn ein Erwachsener auf das Kind mithilfe sog. „Schriften“ einwirkt: elektronische Datenspeicher sowie die gesamte Internetkommunikation sind hiervon erfasst, auch Telefongespräche. Das Risiko einer Strafbarkeit in diesem Kontext ist bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt nicht unerheblich: Denn die „Schriften“ – also z. B. der Chat –selbst müssen keinen sexuellen Inhalt haben. Es reicht aus, dass diese Kommunikation darauf gerichtet ist, das Kind zu einem späteren Zeitpunkt zu sexuellen Handlungen zu veranlassen. Bestraft werden also bereits reine Vorbereitungshandlungen.

4. Einwirken auf ein Kind durch pornographische Abbildungen

Auch wer mit pornographischen Abbildungen, Tonträgern, Telefonaten, Internetkommunikation oder Reden auf ein Kind einwirkt, macht sich ggfs. wegen sexuellem Kindesmissbrauch strafbar.

Unmittelbarer Kontakt oder räumliche Nähe zu dem Kind ist dafür nicht notwendig. Das Kind muss den pornographischen Inhalt „nur“ tatsächlich wahrnehmen können. Auch dass es den Sexualbezug erkennt und einordnen kann, ist nicht notwendig. So ist etwa das gemeinsame Anschauen eines Pornofilms mit einer Person unter 14 Jahren als sexueller Missbrauch eines Kindes strafbar. Sozialadäquates Verhalten, etwa ernstgemeinte Sexualaufklärung, ist hingegen nicht strafbar.

 5. Anbieten oder Versprechen eines Kindes zum Missbrauch (§ 176 Abs. 5 StGB)

Nicht nur der Missbrauch in den vorstehenden Varianten ist strafbar. Auch das Anbieten eines Kindes zum Missbrauch ist strafbar. Anbieten in diesem Sinne ist jede Erklärung, willens und in der Lage zu sein, ein Kind für sexuellen Missbrauch zur Verfügung zu stellen.

Dass es unmittelbar zu einem Missbrauch durch eine andere Person kommt, ist nicht notwendig. Auch unerheblich ist auch, ob das „Angebot“ der Wahrheit entspricht oder ob diese Erklärung ernst gemeint ist.

Auch das Versprechen, ein Kind für einen sexuellen Missbrauch „nachzuweisen“, ist strafbar. Hier muss sich das Versprechen – anders als beim Anbieten - nicht auf ein bestimmtes Kind beziehen. Die grundsätzliche Zusage, ein noch nicht individualisiertes Kind für einen sexuellem Missbrauch zur Verfügung zu stellen, ist ausreichend für eine Strafbarkeit wegen Kindesmissbrauch.

Insofern gilt es auch mit halb ernstgemeinten Erklärungen hier sehr vorsichtig zu sein.

Verjährung bei sexuellem Missbrauch von Kindern

Die Verjährungsfrist einer Tat richtet sich auch im Falle von sexuellem Kindesmissbrauch grundsätzlich nach dem angedrohten Strafmaß.

Für den sexuellen Kindesmissbrauch nach § 176 Abs. 1 StGB beträgt das Strafmaß bis zu zehn Jahre. Bei sexuellem Kindesmissbrauch nach § 176 Abs. 4, Abs. 5 StGB(ohne körperlichen Kontakt mit dem Kind) ist die Höchststrafe mit maximal fünf Jahren deutlich geringer.

In beiden Fällen beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre. Diese Frist beginnt, sobald die Tat beendet ist. Zudem gilt eine Besonderheit: beim sexuellen Missbrauch von Kindern ruht die Verjährung gemäß § 78b Abs. 1 StGB ruht, bis das Opfer sein 30. Lebensjahr vollendet hat. Die Fünf- bzw. Zehnjahresfrist beginnt demnach erst zu laufen, wenn das Missbrauchsopfer 30 Jahre alt wird.

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern

Kommt es zu einer sexuellen Handlung die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind, z.B. zum vollzogenen Beischlaf, Oralverkehr oder vergleichbaren Handlungen, droht gem. § 176a StGB eine Freiheitsstrafe von mindestens 2 Jahren bis zu 15 Jahren, sofern der Täter über 18 Jahre alt ist. Gleiches gilt bei einer von mehreren Tätern gemeinschaftlich begangenen Tat oder wenn durch die Tat nachweislich schwere Gesundheitsschädigungen oder erhebliche Entwicklungsstörungen drohen. Auch ein sexueller Missbrauch der dazu dient kinderpornographische Inhalte herzustellen und später zu verbreiten fällt unter§ 176a StGB.

Der hohe Strafrahmen des § 176a StGB macht eine frühzeitige und kompetente Verteidigung umso wichtiger. Steht eine Verfahrenseinstellung oder ein Freispruch nicht im Raum ist es wichtig frühzeitig die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen eines minder schweren Falles nach § 176 Abs. 4 StGB zu schaffen. Oft ist dies die letzte Möglichkeit eine lange Haftstrafe abzuwenden.

Aufgrund des hohen Strafrahmens verjährt ein schwerer sexueller Missbrauch von Kindern erst nach 20 Jahren. Hinzu kommt auch hier das Ruhen der Verjährung bis zur Vollendung des 30 Lebensjahres (§ 78b StGB). Im Ergebnis können daher auch noch Taten verfolgt werden, die bereits mehrere Jahrzehnte zurückliegen.  

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

Auch der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen – also einer Person zwischen 14 und 18Jahren - ist nach § 182 StGB unter Strafe gestellt. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Jugendliche – anders als Kinder – grundsätzlich in der Lage sind, freiverantwortlich über ihr Sexualleben zu bestimmen.

Der sexuelle Kontakt zwischen einer Person über 21 Jahre mit einer Person unter 16 Jahren kann ebenfalls strafbar sein. Dies gilt jedoch nur, wenn der Minderjährige nur eingeschränkt selbstbestimmungsfähig ist. Für eine Strafverfolgung ist in diesem Fall jedoch ein Strafantrag des Minderjährigen oder – was wesentlich häufiger der Fall ist – der Erziehungsberechtigten notwendig. Andernfalls wird kein Strafverfahren eingeleitet Ausnutzen einer Zwangslage.

Für eine Strafbarkeit wegen sexuellem Missbrauch von Jugendlichen – anders als beim Kindesmissbrauch - nicht nur eine sexuelle Handlung notwendig. Das Ausnutzen einer Zwangslage des Jugendlichen muss hinzukommen. Von einer solchen Zwangslage ist z. B. auszugehen, wenn sich der oder die Jugendliche in wirtschaftlicher Not befindet.

Ebenfalls strafbar ist es, als Volljähriger gegen Entgelt eine sexuelle Handlung an einem Minderjährigen vorzunehmen oder an sich vornehmen zu lassen: Prostitution mit einem / einer Jugendlichen ist somit immer strafbar. Dabei ist unter „Entgelt“ nicht nur die direkte Zahlung von Geld zu verstehen, sondern etwa auch das Bereitstellen einer kostenlosen Unterkunft oder von Essen.

Verjährung des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen

Die Verjährungsfrist einer Tat richtet sich auch im Falle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen grundsätzlich nach dem angedrohten Strafmaß.

Für den sexuellen Kindesmissbrauch nach § 176 Abs. 1 StGB beträgt das Strafmaß bis zu zehn Jahre. Bei sexuellem Kindesmissbrauch nach § 176 Abs. 4, Abs. 5 StGB(ohne körperlichen Kontakt mit dem Kind) ist die Höchststrafe mit maximal fünf Jahren deutlich geringer. In beiden Fällen beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre. Diese Frist beginnt, sobald die Tat beendet ist.

Zudem gilt eine Besonderheit: beim sexuellen Missbrauch von Jugendlichen ruht die Verjährung gemäß § 78b Abs. 1 StGB ruht, bis das Opfer sein30. Lebensjahrvollendet hat. Die Fünf- bzw. Zehnjahresfristbeginnt demnach erst zu laufen, wenn das Missbrauchsopfer 30 Jahre alt wird.

Strafverteidigung

Fälle des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen bzw. Vorwürfe und Ermittlungen in diesem Bereich sind meist sehr brisant. Deswegen ist es gerade in diesen Fällen wichtig, einen Strafverteidiger zu Rate zu ziehen, der mit dem Bereich Sexualstrafrecht und den besonderen Konstellationen im Zusammenhang mit Jugendlichen vertraut ist.

Vor allem die Frage, ob überhaupt eine sexuelle Handlung vorliegt oder nicht und ob eine Zwangslage ausgenutzt wurde, erfordert fundierte Kenntnis der Rechtsprechung zu diesen Themen und: praktische Erfahrung in der Verteidigung.

Fachlich kompetente und persönliche Hilfe ohne Vorurteile

Wenn Ihnen, einem Angehörigen oder Freund eine Straftat zur Last gelegt wird, eine Verhaftung droht bzw. es schon zu einer Verhaftung gekommen ist, ist verlässlicher Rat vom Anwalt wichtig.​

In dieser Situation geben wir Ihnen rechtliche Sicherheit: Wir erklären Ihnen die Rechtslage oder klären, welche rechtlichen Schritte jetzt auf Sie oder Ihre(n) Angehörige(n) zukommen.

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Soforthilfe

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