Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen

Der sog. Sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen ist gem. § 174 StGB unter Strafe gestellt. Hierdurch sollen Kinder und Jugendliche unter 16, teilweise auch unter 18 geschützt werden, die in bestimmten Abhängigkeits-, Obhuts- oder Kindschafts- bzw. Steifkindschaftverhältnis zum Täter stehen.​

Besondere Relevanz kommt der Norm bei Taten gegenüber Jugendlichen zu. Bei Kindern ist zumeist bereits § 176 StGB (Sexueller Missbrauch von Kindern) einschlägig. Sexuelle Kontakte zu Jugendlichen insbesondere solchen über 16 sind hingegen nur in besonderen Konstellationen strafbar (siehe dazu auch den Artikel zum sexuellen Missbrauch von Jugendlichen, § 182 StGB). Bei § 174 StGB knüpft die Strafbarkeit an einer besonderen Beziehung zwischen Täter und Opfer an. Es soll davor geschützt werden, dass z.B. Eltern, Stiefeltern, Pflegeeltern, Lehrer, Ausbilder, Geistliche, Jugendgruppenleiter etc. ihre Stellung und die Abhängigkeit eines Kindes oder eines Jugendlichen für sexuelle Handlungen ausnutzen.

Wann ein solches strafbarkeitsbegründendes Verhältnis vorliegt, wann also von einer Schutzbefohlenen Eigenschaft auszugehen ist, ist in vielen Fällen schwer zu bestimmen. Dies führt dazu, dass gerade angehörige bestimmter Berufsgruppen, wie Lehrer, Ausbilder oder Jugendgruppenleiter selbst bei vollkommen einvernehmlichen sexuellen Beziehungen schnell in den Verdacht geraten können, sich des Missbrauchs von Schutzbefohlenen strafbar gemacht zu haben. Andererseits können Unklarheiten, wann von einer Schutzbefohlenen Eigenschaft auszugehen ist, vielfältige Ansatzpunkte für eine effektive Verteidigung bieten.

Hinsichtlich der Tatausführung unterscheidet die Norm sexuelle Handlungen mit (Abs. 1 und 2) sowie ohne Körperkontakt. Unter einer sexuellen Handlung mit Körperkontakt sind alle sexuellen Berührungen von gewisser Erheblichkeit zu verstehen, also nicht nur Geschlechtsverkehr sondern z.B. auch Streicheln oder „Betatschen“ an Brüsten oder im Genitalbereich, Zungenküsse etc. Nach Absatz 3 sind auch Fälle ohne tatsächlichen Körperkontakt unter Strafe gestellt. Es kann also bereits genügen, wenn sexuelle Handlungen der Täter z.B. über einen Internetchat für das betreffende Kind/Jugendliche wahrnehmbar sexuelle Handlungen durchführt oder das Kind die jugendliche Person dazu bringt solche Handlungen an sich durchzuführen.​

Für eine Strafbarkeit muss die Tat vorsätzlich begangen werden. Es muss also auch nachgewiesen werden, dass der vermeintliche Täter das Alter des Opfers und die Umstände kannte, die die Schutzbefohlenen Eigenschaft auslösen.

Der Strafrahmen des § 174 StGB beginnt für die Absätze 1 und 2 (wenn es also zu sexuellen Handlungen mit Körperkontakt gekommen ist) bei sechs Monaten Freiheitsstrafe. Die Höchststrafe beträgt in diesem Fall 5 Jahre Gefängnis. Bei sexuellen Handlungen ohne direkten Körperkontakt drohen immerhin noch bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

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